Auch anderswo wurde bereits auf diesen SPON-Artikel hingewiesen, ich wollte jedoch nochmal bei Kurt Oertels Artikeln zu den “Angeln” in Herdfeuer 9 und 10 nachlesen. Dort wird die These einer nachhaltigen Germanisierung der britisch-keltischen Bevölkerung durch eine Art Apartheid-System auch gestützt und zusätzlich von anderer als genetischer Seite beleuchtet. Die nach wie vor brennende Frage, wie eine relativ geringe Anzahl von eindringenden Kriegern die Herrschaft über fast die ganze Insel an sich reissen konnte, lässt sich vereinfacht dergestalt beantworten, dass in der kritischen Phase nach dem römischen Abzug die einflußreiche Klasse der romanisierten und christianisierten Großgrundbesitzer zu unflexibel und “weltfremd” war, um auf die sozialen Umwälzungen und die Bedrohung durch die kontinentalen Kriegerhorden angemessen zu reagieren. Eine militärisch heranzuziehende “Mittelschicht” gab es nicht, und die große Masse der bäuerlichen Landbevölkerung war verarmt. Diese schutzlose Gesellschaft war daher auf angeworbene Krieger von außerhalb zur Verteidigung angewiesen, was eben der Grund war, fremde Kriegerhorden ins Land zu holen, die die Situation bald ausnutzten und sich schließlich zu Herren aufschwangen. So schließt sich der Kreis. Der breiten Masse an einheimischen Bauern wird es unter den neuen Herrschern dabei sogar besser als schlechter gegangen sein, war die germanische Vorstellung von Herrschaft doch als relativ human zu bezeichnen. Außerdem waren ihnen derartige Gefolgschafts- und Gesellschaftsstrukturen aus vorrömisch-keltischer Zeit vertraut.
In diesem System wurde es bald “schick” und vorteilhaft, sich an Kultur und Sprache der Angelsachsen zu orientieren. So kann ein sogenannte “Apartheid-Politik” auch dadurch erklärt werden, dass in der germanischen Gesellschaft die Ständeordnung zwar hierarchisch gegliedert aber nicht prinzipiell undurchlässig war. Alles was mit den herrschenden Angelsachsen zu tun hatte war somit mit hohem Prestige und hohem sozialen Status verbunden und stellte damit eine Richtschnur für soziale Anpassung und gesellschaftlichen Aufstieg dar. Ein Beispiel für den modischen Verfall des Britisch-Keltischen ist zum Beispiel die englische Sprache, die fast keine keltischen Elemente enthält. So kam es innerhalb kurzer Zeit zu einer Germanisierung der britannischen Bevölkerung.
Alles in allem ein hochspannendes und sicher noch viele Überraschungen bereithaltendes Thema.

np. Steve von Till - If I should fall to the Field