Seit Wochen sorgt die Arno Breker-Ausstellung in Schwerin für Wirbel und Kontroversen. Während die Junge Freiheit in der aktuellen Titelstory eine längst überfällige Trennung zwischen Kunst und Politik begrüßt, versucht sich SPON wieder einmal aufklärerisch und moralisierend (der Link führt zu einem überarbeiteten und gekürzten Artikel, in dem noch heute morgen Breker explizit als “Altnazi” tituliert und die Kunstwerke pauschal “Herrenmenschenskulpturen” gennant wurden, davon ist in der Onlineausgabe jetzt nichts mehr zu lesen - die Printversion liegt mir noch nicht vor).
Quo vadis? Ich finde die Ausstellung wichtig und richtig, und wenn sie nicht so weit weg wäre würde ich auch hin gehen, einfach weil ich den Stil des Künstlers mag. Nachdem was ich bis jetzt gelesen habe, kann man den Ausstellungsmachern nicht den Vorwurf einer unkritischen Darstellung der Person Arno Brekers und seiner Kunst machen, obgleich seine Witwe wahrscheinlich aufschlussreiche Materialien unter Verschluss hält, was einer umfassenden Information des Besuchers nicht entgegen kommt. Zum anderen halte ich nichts von Verboten und der Tabuisierung und Dämonisierung nicht zeitgeistgemäßer Künstler, mündige Bürger sollten sich schon selbst eine Meinung bilden können. Und überhaupt: Wieso muss Kunst an sich eigentlich immer politisiert werden? Bei Dali werden seine Sympathien für das Franco-Regime doch auch oft nicht erwähnt.
Breker stellte überdies im Auftrag Büsten mehrerer Bundeskanzler her, für einige Leute sicherlich wieder Wasser auf die Mühlen einer konstruierten und undifferenzierten Kontinuitätstheorie vom Kaiserreich bis zur Bonner Republik (und darüber hinaus).
Alles in allem eine wohl zu begrüßende kritische und der Historisierung Brekers dienende Ausstellung. Denn was wäre Kunst, wenn sie nicht zum Nachdenken anregen würde?

np. Sólstafir - Masterpiece of Bitterness