Back in the woodsOctober 13, 2006 10:10 am
Erst in Fulda und nun auch in Bremen zu sehen: ein Musical über Leben und Wirken des “Apostels der Deutschen”. Nun ja… wenn man sich so die inhaltliche Zusammenfassung des Stücks anguckt orientierte man sich bei der Inszenierung doch recht frei an historischen Fakten, gar nicht zu reden von einer, wohl nicht anders zu erwartenden unkritischen und verherrlichenden Darstellung der Titelfigur. Unfassbar gelungen auch die völlig klischeefreie Inszenierung der zu bekehrenden Heiden:
“Die Idylle wird jedoch jäh von den “Heerscharen des Odin” unterbrochen, die tosend an der Schänke vorbeiziehen. Luidger klärt die Anwesenden über diese mordenden und brandschatzenden Männer auf, die unter der Führung des friesischen Herzogs Radbod stehen. Radbod und seine Gefolgsleute sind auf dem Weg zu einem ihnen heiligen Ort, an dem sie der heidnischen Donar- Eiche huldigen wollen.”
Ob man damals wirklich einer Eiche oder nicht doch eher der durch sie symbolisierten Gottheit “gehuldigt” hat? So stellen sich Drehbuchautoren also “Götzendienst” vor…
Zwar wird versucht, durch die Einbeziehung des “bösen” christlichen Gegenspielers Bischof Gewilip und den beginnenden Selbstzweifeln des Hauptprotagonisten einer Eindimensionalität der Figur entgegen zu wirken:
“Am nahe gelegenen Fluss Fulda tauft er die Heiden, die ihren Göttern abschwören sollen. Doch die Taufe wird von einer Mutter gestört. Sie wirft der christlichen Kirche vor, sich am Volk zu bereichern und es zu unterdrücken. Im Besonderen meint sie damit Bischof Gewilip von Mainz, der ihren Mann auf dem Gewissen hat. Dieser hat sich zu Tode geschunden, um die Steuern für den Kirchenmann aufbringen zu können. Bonifatius ist entsetzt. Er erkennt, dass die Heiden sich nicht aus Glauben und Überzeugung haben taufen lassen, sondern aus Angst und Einschüchterung. Er beginnt, den Weg und die Art seiner Missionierung in Zweifel zu ziehen.”
Das ist ja schon fast eine bedeutende Leistung zu nennen, sowas öffentlich darzulegen, auch wenn es ebenfalls nur wieder nur ein Bekehrungsgrund unter vielen gewesen sein mag. Aber tiefergehende Motivforschung auf Seiten der Heiden sollte man von einem Musical auch nicht erwarten.
Nach Radbods Mord an Bonifatius geht die schwülstige Geschichte so zu Ende:
“Noch einmal stellt sich Bonifatius den Fragen seines Lebens und dessen Sinn. Er zieht das Fazit, dass die besondere Fähigkeit des Menschen darin besteht, an das Gute und an sich selbst glauben zu können.”
Applaus! Tolle Küchenweisheit. Was das Ganze mit dem Tod des Missionars und seiner Lebensaufgabe zu tun hat bleibt schleierhaft. Ebenfalls, wo das propagierte Christentum dabei helfen kann, “an sich selbst zu glauben”. Aber, fairerweise, ich habe das Stück nicht selbst gesehen.
Mein Fazit: Laue Story, laue Propaganda, gewürzt mit einer Verschwörungsgeschichte zwischen Radbod und dem Bischof sowie natürlich einer Liebesbeziehung.
Und so ein “Bonifatius” Merchandise-T-shirt brauche ich auch unbedingt noch.
np. Bolt Thrower - Those once loyal