Heute im Feuilleton der Frankfurter Rundschau: Klaus Nauman über den “Weg des “kleinen Kriegs” an die Heimatfront”:
“Der “kleine Krieg” hat längst seinen Weg an die Heimatfront gefunden und ist in der Ausdrucksform eines “banal militarism” in die öffentliche Kleiderordnung eingezogen. Kleider machen natürlich nicht in dem Sinne Leute, dass die Träger von Kampfanzügen und Camouflage-Westen unmittelbar auf den Kriegspfad gehen. Gleichwohl lassen sich an den ausfransenden Rändern des modischen “battle dress’” jene teils ironische, teils naive, teils spielerische Grenzverwischungen beobachten, an deren anderem Ende die khakitragenden Amateurfotografen von Kabul stehen.
Das Beunruhigende besteht nicht zuletzt darin, dass die Stimmungslage im Lande ihr Pendant am Einsatzort zu finden scheint - in einer Gemengelage aus Langeweile, Dienstroutinen, Stagnation und Dauerbedrohung. Vielleicht ist die Einsatzvorbereitung durchaus zureichend, aber das gesellschaftliche Hintergrundgeräusch erzeugt eine eigene Melodie, in deren Refrain durchaus das Wort Verrohung durchklingt.”
Aha. Da hat wohl einer Angst vor einer “Re-Militarisierung” der Gesellschaft wie damals in Preußen. Gleichwohl sehe ich nicht ein warum ich mich der Verrohung bezichtigen lassen muss, weil ich ab und zu eine Tarnhose trage, noch, warum ich und “einige” andere als Mitglieder einer Subkultur dafür herhalten müssen, ein bedenkliches gesamtgesellschaftliches Klima zu erzeugen und dass am Ende deutsche Soldaten im Ausland mit Totenschädeln Unfug treiben. OK, Camouflagemuster sind zur Zeit auch bei H&M groß in Mode aber mal ehrlich, das sieht doch weder gefährlich noch militaristisch aus.
“Damit ist die Skandalbühne zum Stück “Totenkopf-Fotos” offen, und wir können uns der sekundären Beobachtung zuwenden. Statt die Komplexität der ineinander greifenden Probleme zu bündeln und zuzuspitzen, ergeht sich die Skandalmaschine in einem Wechselspiel von Auf- und Abregungen. Wem an Dramatisierung gelegen ist, der hält sich an die pars-pro-toto-Regel, dass sich hier wieder einmal das Truppentypische langjähriger Fehlentwicklungen zeige (”So sind sie in Wirklichkeit”), die mit den Stationen Coesfeld, Güntzel oder Hammelburg benannt werden können.”
Wohl noch nie was von Psychologie des Krieges gehört? Genuin deutsch oder bundeswehrig (jaja, ganz im Geiste der Wehrmacht natürlich) ist das nun wirklich nicht, siehe Abu Dingsbums.
“Und wer es ganz radikal meint, plädiert umgehend für den Rückzug aus den Einsatzgebieten (Denn: “So was kommt davon”).”
Sowas kommt zwar nicht davon, aber trotzdem: Raus da, aber ganz schnell!
“Zunächst ist die Rede vom “Archaischen”, das sich im beschwörenden Hantieren mit Knochen und Totenköpfen Bahn breche. Dem Argument muss man sich nicht verschließen - solange es sich nicht mit fragwürdigen Folgerungen verbindet und die in Apologetik vermeintlicher Verblüffungsresistenz umkippt. “Ankunft in der Wirklichkeit” lautet denn auch die Lieblingsformulierung dieser Richtung, und damit soll offenbar gesagt werden, dass Kriege nun einmal “so” seien oder Krieger sich eben “so” verhielten.”
Das ist schon ganz richtig erfasst. Willkommen in der Wirklichkeit. Fragt sich was daran fragwürdig ist?
“Verspielt werden zweierlei Tagesforderungen. Zum einen die Bekräftigung der aufgeklärten Illusion, auf der unsere Zivilisation beruht und an der wir - wie beim Strafrecht - festhalten, auch wenn der Regelverstöße kein Ende ist. Gerade weil sich das Gewalthandeln, wie Hannah Arendt betonte, immer wieder der Zweck-Mittel-Rationalität zu entziehen droht, braucht es nicht nur Vorkehrungen gegen den Krieg, sondern auch hegender Regeln im Krieg und für seine Betreiber. Darüber nachzudenken wie eine entsprechende Normenbekräftigung aussehen könnte, und dies im Kontext ebenso sicherheitspolitischer wie gesellschaftspolitischer Bezüge zu tun, dazu bieten die Totenkopf-Fotos einen lohnenden Anlass.”
Genau, Illusion. Man kann natürlich versuchen, durch die “Bekräftigung entsprechender Normen” solchen Handlungen entgegen zu wirken oder die Dienstaufsicht zu verstärken. Versuchen, ja… ob das von einer orientierungslos-debilen Politik und sesselpupenden Gutmenschen im Bundestag in erbarmungslose Krisenherde geschickten deutschen oder allen anderen Soldaten im Psychostress des Krieges irgendetwas nutzt oder anderes Verhalten hervorbringt darf bezweifelt werden. Nichts gegen Moralkodices im Kriege (hatten wir alles schon mal) und Kriegs-/Völkerrecht (Genfer Konvention), mir geht bloß diese verlogene Diskussion total gegen des Strich.
np. Mari Boine - Bálvvoslatjna/Room of Worship

Hmm, ob dem gemeinen deutschen Soldaten im Kongo geholfen ist, wenn ihm noch mal eingeschärft wurde nicht mit Schädeln zu spielen, wenn er von Crackkindersoldaten in einem Hinterhalt beschossen wird? Da wird es ihm auch nicht helfen, wenn man einen “Ehrenkodex” oder eine “saubere” Kriegsführung fordert und sich einige Staaten dazu verpflichten!
Wenn es dann um sein Leben geht, wird er sich wohl doch dafür entscheiden auf die Crackkinder zu schiessen, als die Abmachung seines Landes einzuhalten und sich stumof abschlachten zu lassen!
Aber, dass es keinen sauberen Krieg gibt, werden solche Leute wohl nie kapieren!
Wir brauchen endlich den T-1000, dann gibt es auch saubere Kriege, denn Maschinen können nun mal nicht psychologisch aus der Reihe tanzen….
Comment by Hatebreeder — November 7, 2006 @ 10:33 am
Sag ich doch, ganz meine Meinung.
Comment by Wichtelmeister — November 7, 2006 @ 5:18 pm