Living in a farceJanuary 20, 2007 5:36 pm

Nicht viel Neues gibt es momentan vom Exilanten… während Kyrill fast ganz Europa ordentlich durchgepustet hat, blieb er hier wie auch in meiner ostfriesischen Heimat hinter den Befürchtungen zurück und stellte sich in Trier als etwas böiger, aber letztendlich relativ harmloser Sturm heraus. Als sturmerprobter Norddeutscher war ich doch etwas enttäuscht. ;-)
Weiterhin sitze ich hier noch auf gepackten Kisten, während andere in Oldenburg ihren Examenszeugnissen oder Toten in ihren Wohnhäusern entgegensehen. Trotzdem kommt es mir vor als habe ich durch den Umzug ein kleines Informationsdefizit… ;-)
Wenigstens ist eine neue Flatrate für das traute Heim bestellt und dann wird es hier auch wieder lebhafter.
Ich möchte zuletzt auf einen Bericht über ein noch nahezu unbekanntes Ereignis verweisen (zwar SPON aber immerhin). Sollte man einigen Gestalten und Vereinen/Parteien, die letzte Woche bei diesem Umzug dabei waren und teilweise Randale am Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus machten, mal penetrant unter die Nase reiben.

np. Pungent Stench - Dirty Rhymes and Psychotronic Beats

Living in a farceJanuary 13, 2007 5:46 pm

Der Umzugsbulli ist gepackt, morgen geht es endgültig los, und ein bißchen Wehmut herrscht im Eisenwald. Das ist er also, der ultimative Schritt aus dem Kinderzimmer hinein in die weite Welt. ;-) Naja, eine eigene permanente Wohnung gab es ja während des Studiums schon mehrere Jahre, aber nicht wirklich weit entfernt von der Heimat, und die alten Bindungen blieben weitestgehend erhalten. Nach Studienende die letzten 4 Monate sowieso wieder im Elternhaus verbracht… Ab nun: Umzug in eine sehr andere Landschaft, weit weg von Freunden und vertrauter Umgebung aus Kinderzeiten, das finale Eintreten in die Arbeitswelt. Eine dicke Umwälzung… mal sehen was sich so entwickelt. War jedenfalls eine schöne Zeit hier oben. Bis bald Leute!

np. C93 - Thunder Perfect Mind

Musick and sonic landscapes 5:36 pm

Young man came from hunting faint and weary,
What doth ail my lord my deary?
Oh Mother dear let my bed be made,
For I feel the gripe of the woody nightshade

Lie low sweet Randel,
Now all you young men that do eat full well
And they that sup right merry
`Tis far better I entreat to have toads for your meat
Than to eat of the wild wild berry

Now this young lord he died ere soon,
By the light of the hunters moon,
`Twas not by bolt, nor yet by blade
But the deathly gripe of the woody nightshade

Lie low sweet Randel,
Now all you young men that do eat full well
And they that sup right merry
`Tis far better I entreat to have toads for your meat
Than to eat of the wild wild berry

This lordships wench they hanged her high,
For she was the cause of the lord to die
And in her hair entwined a braid
Of the leaves and berries of the woody nightshade

Lie low sweet Randel,
Now all you young men that do eat full well
And they that sup right merry
`Tis far better I entreat to have toads for your meat
Than to eat of the wild wild berry
Lie low sweet Randel

Beeindruckend dargeboten von Andrew King auf “The Amfortas Wound”.

Living in a farceJanuary 7, 2007 6:26 pm

Der SPON guckt in die Zukunft unseres Landes und propagiert eine bonbonbunte Multikultigesellschaft, in der sich alle lieb haben und bei der ich Bauchschmerzen und spastische An-den-Kopf-fass-Anfälle bekomme. Eine Gesellschaft ohne soziale, ethnische und religiöse Probleme, tolerant und weltoffen. Eine Nation ohne eigene Identität, denn die wird laut SPON individuell weiterhin von der “Abstammungskultur” bestimmt:

“Die Basis haben Politiker und Zivilgesellschaftler, Muslime und Christen gelegt - sie haben die Maxime ausgehandelt: Jeder kann seine Kultur leben, solange sie nicht mit Grundwerten wie Freiheit und Gleichheit in Konflikt tritt. Bei den meisten Einwanderern wuchs das Zugehörigkeitsgefühl zu Deutschland mit den wirtschaftlichen und sozialen Chancen, die sie bekamen.
Kurz: 2067 fühlen sich Migranten in Deutschland immer noch türkisch, afghanisch, russisch - von ihren Wurzeln her.
Aber sie fühlen sich immer auch deutsch.”

Alles klar. Was heißt denn in dieser Dystopie noch deutsch? Und seit wann lösen “wirtschaftliche Chancen” religiöse und theologische Differenzen und stiften ein Gemeinschaftsgefühl? Deutschland - die neue USA, also die perfekte Gesellschaft…

“In den Schulen wird längst nicht mehr über Leistungsstudien wie Pisa geklagt,…”

Nein, dass hat sich dann auch total erledigt.

“…sondern über gemeinsame Werte geredet. Schon Kindergartenkindern werden kulturelle Unterschiede, Respekt und Gleichheit beigebracht; sie feiern das muslimische Opferfest, Weihnachten, Chanukka.”

Wie goldig. Alle haben sich lieb, sind gleich, respektieren sich. Natürlich ohne Konflikte. Auf welchem Planeten lebte die Autorin im Jahr der Mohammedkarikaturen?
Sehr realistisch auch die vorausgesehenen staatstragenden Institutionen, denn…

“…2067 bestehen die deutschen Eliten fast zur Hälfte aus Einwanderern - in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur.”

Natürlich, denn die Hochqualifizierten machen ja auch den Löwenanteil der Migranten in unsere “Einwanderungsgesellschaft” aus, die rennen unserem aufblühenden Land die Bude ein.
Wer glaubt denn so einen weichgespülten Schwachsinn? Ein wenig mehr kritisches Bewusstsein statt weltfremder Ideologie darf man doch auch wohl vom Spiegel erwarten oder? Hier ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens. Aber gut dass wir drüber gesprochen haben…

np. Disincarnate - Dreams of the carrion kind

Folie VerteJanuary 6, 2007 9:32 pm

So, nachdem ich am Heiligabend-Nachmittag schwung- und stilvoll meinen Wagen in die Leitplanke gesetzt habe und die letzten Tage wieder mal ca. 2000 km bei Sturm und Regen quer durch West- und Mitteldeutschland geeiert bin gibt es hier auch mal wieder was Neues. Sol Invictus am Silvesterabend live im Hellraiser in Leipzig - und wir waren dabei.
Nachdem unsere Nachmittagsruhe in der Pension durch die wahre Batterien von Böllern abfeuernde Leipziger Vorstadtjugend derart jäh gestört worden war, dass man dachte der Russe steht erneut vor den Toren der Stadt, ging es mangels Zeit ohne Abendessen, dafür mit Rotwein bewaffnet Richtung Hellraiser. Nach ein wenig Anstehen in der Kälte wurde drinnen erst einmal vernommen, dass Nebelung krankheitsbedingt nicht spielen würden. Machte aber zumindest mir nichts, da der als sehr, sehr spontaner “Ersatz” ein paar Lieder auf der Akustikgitarre zu besten gebende Frank Machau von Orplid und Primus Inter Pares mir wahrscheinlich eh viel besser gefiel. Neue und alte Orplid (und auch Primus Inter Pares? - ich kannte nicht alle Stücke) Lieder wechselten sich ab, und als am Ende “Im Sturm” in einer beeindruckenden und mitreissenden Soloversion dargeboten wurde, hatte der sympathisch-aufgeregt wirkende Machau komplett gewonnen. Super!


Frank Machau

Ein paar Ur-Köstritzer und einige “wenige” Einkäufe später war es dann Zeit für die vorzeitige Hauptband des Abends Sol Invictus. Zum ersten Mal live gesehen, und sie konnten überzeugen. Auch hier Klassiker aus allen Schaffensperioden (”Black Easter” als Zugabe) plus einige neue und Solostücke von Herrn Wakeford.


Sol Invictus (dankend Nonpop entlehnt) ;-)

Bereichernd ins Auge (und Ohr) stach Neuzugang Andrew King an Trommel und Glockenspiel, der auch ein, zwei Lieder alleine sang - sehr gut, erinnerte an traditionelle Stücke von Fire + Ice. Auf jeden Fall passt der etwas schrullige Engländer gut zu Sol Invictus.


Andrew King

Gegen Mitternacht gab es dann Gelegenheit sich kurz in den Armen zu liegen, bevor die Italiener Spiritual Front einmal mehr die Bühne enterten und einen routinierten und abgefeierten, wenn auch wenig überraschenden Auftritt absolvierten. Bei einem letzten Bierchen klang die Veranstaltung dann mit gut ausgewältem Neofolk im angrenzenden Tanzbereich “chillig” aus.
Nach Hause ging es - nein, nicht nach zwei Stunden Wartezeit im Regen mit dem Taxi, sondern bei einem aus Mitleid anhaltenden Pärchen, dass uns und einen extra angereisten Italiener zum Bahnhof mitnahm, jedoch leicht intolerant war (”Was, wir haben einen Wessi im Auto?”). ;-)
Alles in allem ein gelungener Abend, der nach Wiederholung schreit.

np. Stielas Storhett - Vandrer…