So, kann mich nun mal jemand aufklären, wer dieser Hans Filbinger wirklich war? War das wirklich ein überzeugter Nazi, der ohne Skrupel Menschen in den Tod gerichtet hat? Oder war er ein Mitläufer, der sich dem Druck des Systems gebeugt hat und daraus das für sich “Beste” gemacht hat? Oder doch nur ein Konservativer, der gegen seinen Willen zur Militärjustiz abkommandiert wurde?
Ich kenne auch Günther Oettinger nicht, aber die hysterische Kampagne der letzten Tage ist zweifelsohne ein neuer Höhepunkt in der bundesdeutschen Geschichte des Demontierens von öffentlichen, ich setzte mal hinzu “unliebsamen”, Personen. Wie gesagt, ich kann mir über die Sachverhalte kein Urteil erlauben, aber die unglaubliche Zähigkeit und Hysterie von Medien, Politikern (fast) jeglicher Richtung und einschlägigen Verbänden, inklusive des natürlich nicht fehlen dürfenden, moralinsauren Ralph Giordano, mit der nun letztendlich eine Distanzierung erzwungen wurde, finde ich maßlos übertrieben, peinlich und schlicht unangebracht. Da wird wieder ein Toter von jeglicher Seite für die eigenen Interessen instrumentalisiert, wahrscheinlich sogar von Oettinger, seinem Ghostwriter und der Süd-CDU als den “Opfern” dieser Affäre selbst. Aber Hauptsache Thierse, Roth und all die anderen Berufsempörer konnten wieder ordentlich medienwirksam auf die Kacke hauen, verurteilen, Rücktritt fordern, und ihr reines Gewissen und ihre einwandfreie Gesinnung vorzeigen; da war schon wieder gleich von Gedenkgottesdienstabsagen, Verhöhnung der Naziopfer, Relativierung des Holocaust und allgemein Rechtsextremismus die Rede. Mahlzeit. Wieso geht es zur Abwechslung nicht auch mal mit sachlicher und weniger emotionaler Auseinandersetzung und Kritik? Quellen, Belege, Daten, von allen Seiten wohlgemerkt? Ist in Deutschland nicht möglich.

np. Jägerblut - 1896-1906