“Vandrer gjennom mørke skoger
over fjell og ned
langs den brusende elven Gjoll
og over Gjallarbroen…”

(Helheim - Jormundgand)

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. So wurde aus dem anfänglich geplanten fast ausschließlichen Outdoorurlaub eine wildnisreiche Camping- und Hüttenwoche mit temporärem Turcharakter. Trotz umfangreicher Vorbereitungen im Vorfeld haben wir uns (von der Kondition auf dem unwegsamen Gelände her z. B.) und unsere Ausrüstung sich einfach als noch nicht reif für tagelanges Wandern und Aufhalten im Fjell erwiesen. Was solls, was bleibt sind unbeschreibliche Impressionen, wertvolle Erfahrungen für das nächste Mal und die Sehnsucht nach dem Nordland, die schon bei Abfahrt der Fähre aus Oslo einsetzte.
Was haben wir nun erlebt und gesehen?
Vorweg, den Besseggen haben wir wetter-, zeit- und konditionsbedingt links liegen gelassen. Das nächste Mal bestimmt. Wir haben in Gjendeheim nur ein paar Fotos gemacht vom Gjende.
Witzig war jedoch schon die Anreise nach Jotunheimen, als ich mir die Fahrtzeit in Südnorwegen hinter Oslo unbewusst mit ein wenig Musik aus Ringerike vertreiben wollte. Just tauchte am Straßenrand besagtes Kommunewappen auf. So wurde die Durchfahrt wahrlich durch einen Sohn der lokalen Gemeinde veredelt.
Aber dann die Ankunft in Riesenheim: Die Straße wird immer enger und schlechter, führt immer höher, während das Thermometer immer tiefer sinkt. Trotz 1 Uhr nachts ist es immer noch nicht wirklich dunkel, die Umgebung in fahles Licht getaucht… und dann die ersten schneebedeckten Gipfel… Gegenverkehr kommt nur noch alle 30 min… wir durchfahren ein karges Niemandsland… Helheim im CD-Player… Wahnsinn!
Deshalb tags darauf noch von der Anreise gerädert und nur eine kleine Wanderung durch das herrliche Sjodalen am Ostrand Jotunheimens gemacht. Nebenbei, es war der einzige Tag mit richtig Sonnenschein…
Denn tags darauf fing es richtig an zu gießen. Daher den Plan vorverlegt und ins 70 km entfernte Fagernes zum Valdres Folkemuseum gefahren (Valdres heißt die Landschaft dort). Quasi das Museumsdorf Cloppenburg auf norwegisch, inklusive Volkstanzdarbietung und -VHS-Workshop, Haustieren und norwegischen Pfannkuchenvariationen (wie man auf den Bildern unschwer erkennen kann - *mampf*). Dort habe ich auch endlich ein bezahlbares Büchlein mit Theodor Kittelsen-Bildern und Auszügen der dazugehörigen Sagen und Märchen erstanden - nach ca. 13 Jahren Suche! Zwar nicht sehr umfangreich, aber immerhin.
Außerdem unbedingt probieren: Rømmegrøt, eine grießbreiähnliche Spezialität. Gereicht mit Saft, Rosinen, Zimt und Zucker genau das Richtige, wenn man ausgekühlt aus dem Nirgendwo kommt.
Dann haben wir uns aber mal aufgerafft gefasst und sind trotz Regens mit allem drum und dran losgewandert zum Bygdin. Und erst wenn man diese unglaublich imposante, auf den ersten Blick karge Ödmark einmal sprichwörtlich am eigenen Leib erfahren hat, kann man wirklich nachvollziehen, warum besonders diese Gegend für die Menschen früher das Zuhause von Riesen und Trollen darstellte. Ihre Präsenz und Essenz liegt über und in dem ganzen Land. Sperrig, abweisend, gefährlich, dann wieder wunderschön und zart. Über Geröll und durch Moor und Wiesen zu schneebedeckten Hängen, mit dem Rucksack durch brausende Wildbäche waten, tosende Wasserfälle, Regen, Sonnenschein, Sturmböen - alles an einem Tag. Ein Land der Extreme, selbst so relativ weit südlich. Und es ist schon was besonderes, wenn zum ersten Mal ein paar hundert Meter neben einem auf einmal eine Rentierherde entlangläuft. Leider sind die Fotos davon nichts geworden. Übrigens, auch wenn es aussieht wie schon mal gegessen, Real Turmat is the shit!!! Kaum Gewicht, klein zu verpacken, sehr nahrhaft und gute Heizwirkung für den Schlafsack.
Letztendlich haben wir dann noch den Nationalpark umfahren und uns, mit Zwischenstopps auf dem wohl dekadentesten Campingplatz Norwegens (man beachte den Massagestuhl!), beim mit einer so typischen Sage verbundenen Riddersprang und bei der Stabkirche von Lom, auf den Weg nach Zentraljotunheimen, nach Spiterstulen gemacht - die letzten 18 km auf der obligatorischen privaten, einspurigen Mautstraße ins Gebirge hinein, immer am Abgrund entlang… Dort haben wir, nach einer Nacht ausnahmsweise in festen vier Wänden und einem stärkenden Frokostbüffet, eine Gletschertour über den Svellnosbreen mitgemacht. Neben vielen Klüften die es zu überwinden galt war sogar eine kurze Eiskavernendurchquerung mit Halteseil im Programm. In den Gletschersee wollte mir und der wohl geilsten und leichtbekleidetsten Aushilfs-Gletscherführerin aka Studentin (Elisabeth, oh Elisabeth… lechz) meine Holde trotz schweißtreibendem Aufstieg dann aber doch nicht folgen. Das Wasser war wirklich *so* kalt…
Überraschend schmackhaft war am letzten Tag noch das Pils mit dem wohl mächtigsten Namen auf dem skandinavischen Markt… neben dem hier natürlich. Auch der Hatebreeder hat damit schon Bekanntschaft gemacht…

“Takk for turen!”

In Noreg begleiteten und bewegten mich:
Apoptose - Nordland
Condemned - Desecrate the Vile
Helheim - Jormundgand
Myrkgrav - Trollskau, Skrømt og Kølabrenning
Negura Bunget - OM
Ulver - Kveldssanger
Paysage d`Hiver - s/t
Vinterriket - Nebelschleier


Jotunheimen 2007